«Zu meidende Germanismen»
Mundartausdrücke sind dann am Platz, wenn es einen guten Grund gibt – Zitat, Stimmung, «Träfi» –, und sie gehören in Anführungszeichen. Ganz anders bei Schweizer Hochdeutsch: Wir verwenden in der Regel unsere Varianten, wenn sie (oder ihre Bestandteile) im Duden stehen, also:
– Zigarettenstummel statt -kippe
– grillieren/parkieren statt grillen/parken
– Telefonkabine statt -zelle
In den Neunzigerjahren hat der Vizechefredaktor und Sprachpfleger Gustav A. Lang beim «Bund» eine Liste der «zu meidenden Germanismen»1 herausgegeben, drei A-4-Blätter lang. Vieles daraus ist heute noch aktuell: Junge, Urlauber, Etat, Rundfunk, Redakteur, Kommandeur, Friseur, Kaufhaus, Gehsteig, Bahnsteig, Fahrrad, Bahnschranke, Fahrgast. An (wenig) anderes haben wir uns gewöhnt: Belegschaft, Wettervorhersage, Fahrer. Aber allgemein ist das schweizerische Pendant vorzuziehen; die «deutschländische» Variante kann zur Abwechslung gebraucht werden, und natürlich in Zitaten.
P.S. Auf gar keine Liste, ausser jener der im Deutschen nicht existierenden Wörter, gehören:
– anrührig (gemeint war anrührend; rührig gibt es auch, aber das ist etwas anderes)
– Flipper (nicht als Eigenname, sondern statt Flosse beim Larson-Cartoon)
– gewunken (Jedenfalls gehörte «gewunken» zu den wenigen Wörtern, die der Duden ausdrücklich als falsch aufführte – jetzt nicht mehr: «häufig auch gewunken», meldet die 25. Auflage. Wohlan denn: Wenn wir fleissig «er wank» sagen, wird auch das einmal richtig.)
© Daniel Goldstein
1 Es ging darin nicht um Germanismen im üblichen Sinn, also Eigentümlichkeiten des Deutschen, die in einer anderen Sprache auftauchen, sondern um nur in Deutschland gebräuchliche Ausdrücke – also Teutonismen oder Deutschlandismen, wie Sprachwissenschafter sagen.